Zeiteinteilung, wenn du alle Zeit der Welt hast

Das Leben als Autor hat schon so seine Vorteile: Die liebste Freizeitbeschäftigung wird zum Beruf. Das Schreiben von Romanen, Sachbüchern, Blogartikeln, etc. steht im Vordergrund. Wenn man kein Verlagsautor ist, gibt es auch keinen Termindruck und man hat die Möglichkeit, sich seine Zeit frei einzuteilen. Wo wir auch schon mitten in einem hartnäckigen Problem festhängen: Hast du alle Zeit der Welt, hast du eigentlich gar keine Zeit.

Die Falle

Es ist herrlich. Morgens aufstehen, gemütlich frühstücken und anschließend den ganzen Tag über schreiben, neue Welten ausdenken, Charaktere entwickeln und die Protagonisten in verzwickte Situationen manövrieren.

Soweit die Theorie.

In der Praxis sieht es allerdings ganz anders aus. Da du den ganzen Tag Zeit hast, kannst du getrost vorher ein bisschen lesen. Schließlich gehört es zu den Aufgaben eines Autors, viel zu lesen und die Geschichten zu analysieren. Außerdem sollte mal wieder eine Ladung Wäsche in die Maschine, dauert ja nicht lange und nimmt nicht viel Schreibzeit weg. Es wäre auch nicht schlecht, wenn du noch schnell staubsaugst oder einkaufen gehst.

Du schaltest den PC ein, jetzt geht´s aber los. Da flattert eine E-Mail herein, die du nur kurz beantwortest. Dann fällt dir etwas ein, das du dringend für dein neues Projekt recherchieren musst, bleibst aber in diversen Social-Media-Kanälen hängen. Mittags bekommst du Hunger, machst dir etwas zu essen und schaust dir dabei deine Lieblingsserie an. Danach fällst du in das berühmte Fresskoma und brauchst erst mal einen Kaffee, um wieder in die Gänge zu kommen. An Kreativität ist nun gar nicht zu denken. Die Wäsche vom Vormittag ist fertig und muss nun aufgehängt, gefaltet oder gebügelt und weggeräumt werden.

Es ist später Nachmittag. Dein Mann, deine Kinder kommen nach Hause und fordern deine Aufmerksamkeit. Es wird Abend und du bist inzwischen viel zu müde, um auch nur einen vernünftigen Satz zustande zu bringen. Außerdem läuft nachher ein Film im Fernsehen, den du dir unbedingt ansehen willst. Davon abgesehen möchtest du auch etwas Zeit mit deiner Familie verbringen. Wozu hast du dich denn sonst dazu entschlossen, von Zuhause aus zu arbeiten? Morgen ist ja auch noch ein Tag und dann läuft es garantiert besser.

Kommt dir bekannt vor? Dann darf ich dich sehr herzlich im Club willkommen heißen.

Prioritätensetzung

Zeit ist heutzutage sehr wertvoll. Die meisten Menschen haben viel zu wenig davon. Arbeit, Freizeitstress und familiäre Verpflichtungen bringen uns oft dazu, von einem Ort zum nächsten zu hetzen, stetig in der Angst, etwas zu verpassen und immer das Gefühl, nicht genügend Zeit zu haben. Dabei haben wir Zeit. Wenn wir keine Zeit hätten, wären wir nämlich schon tot. Ich habe zu dem Thema eine interessante Doku gesehen, die ich empfehlen kann: Die erschöpfte Gesellschaft

Von der Philosophie zurück zum alltäglichen Problem, sich Schreibzeit freizuschaufeln. Zuerst musst du dir im Klaren darüber sein, welche Prioritäten du setzen willst. Steht dein aktuelles Schreibprojekt an erster Stelle? Oder gibt es noch etwas anderes, das Vorrang hat? Wenn es dir wichtiger ist, dass deine Wohnung stets ordentlich und vorzeigbar ist oder du deinen Sport auf keinen Fall vernachlässigen willst, ist das kein Problem. Du bist deswegen nicht weniger Autor als jemand, dem nichts über das Schreiben geht. Werde dir einfach vorher bewusst, wo deine Prioritäten liegen.

Aufgaben sammeln

Damit du ein Gefühl dafür bekommst, was tatsächlich an Aufgaben zu erledigen ist, schreibe dir zunächst alles auf, was in der kommenden Woche zu tun ist. Schreibe nicht nur deine üblichen Termine auf, sondern setze dir auch Aufgaben, die erledigt werden müssen, z.B. schreiben, jemanden anrufen oder Fenster putzen. Für das Schreiben setzt du dir im besten Fall ein Tages- oder Wochenziel an Wörtern oder Seiten, die du erreichen willst, bleibe dabei aber realistisch. Wenn du weißt, dass du 500 Wörter am Tag schaffst, macht es keinen Sinn, wenn du dir ein Wochenziel von 10.000 Wörtern setzt.

Wenn du alle Aufgaben der Woche beisammen hast, teile diese auf die einzelnen Tage auf. Auch hier ist wichtig, dass du realistisch bleibst. Schätze vorher hab, wie lange du etwa für eine Aufgabe brauchen wirst und vergiss nicht, dass du nicht 24 Stunden durcharbeiten kannst. Ich würde vorschlagen, dass du dir für den Anfang pro Tag eine große Aufgabe einplanst, die 2-3 Stunden in Anspruch nimmt, z.B. Erledigungen außer Haus, schreiben, ein Freelancing-Job oder eine Sportsession. Und zwei kleinere Aufgaben, die jeweils maximal 1,5 Stunden dauern, z.B. den Haushalt auf Vordermann bringen, die eigene Homepage aktualisieren, Postings vorplanen oder einen Blogartikel vorbereiten. Oder was auch immer du sonst zu tun hast.

Hast du zudem einen regulären Brotjob, dann musst du diese Zeit natürlich auch entsprechend berücksichtigen. Was kannst du vor bzw. nach der Arbeit noch realistisch erledigen? Versuche dabei auch, Aufgaben sinnvoll zusammenzufassen, z.B. alle offenen Honorarnoten einmal pro Woche abschicken oder gleich zwei, drei Blogartikel hintereinander schreiben anstatt alles einzeln zu erledigen.

Damit du nicht das Gefühl hast, Tage einseitig zu gestalten oder gewisse Dinge zu vernachlässigen, kannst du deine täglichen Aufgaben auch hinsichtlich Arbeit, Alltag und Freizeit abstimmen. Du kannst deine Aufgaben in diese drei Kategorien unterteilen und dann jeden Tag eine Aufgabe aus jeder Kategorie erledigen. Zum Beispiel planst du an einem Tag 2 Stunden schreiben (Arbeit), 1 Stunde Haushalt erledigen (Alltag) und 1 Stunde Sport (Freizeit) ein.

Wenn dir das zu wenig vorkommt: Keine Sorge. Meistens braucht man für Aufgaben länger, als gedacht und wenn du noch Zeit übrig hast, kannst du dir immer noch Pufferaufgaben überlegen. Also Dinge, die nicht dringend erledigt werden müssen, aber dennoch irgendwann gemacht werden sollten, z.B. Kleiderschrank ausmisten oder alte Notizen zu Schreibideen durchgehen und überlegen, ob du etwas davon demnächst verwerten kannst.

Alles eine Frage der Planung

Du hast also deinen Wochenplan, wo du für jeden einzelnen Tag Aufgaben eingeteilt hast. Jetzt müssen die Aufgaben nur noch erledigt werden. Klingt doch ganz einfach, oder? Allerdings bist du noch immer nicht davor gefeit, die Aufgaben vor dir herzuschieben und erst auf den letzten Drücker zu erledigen.

Um hier Abhilfe zu schaffen, kannst du dir zusätzlich eine Reihenfolge überlegen, in der du deine To-Do-Liste abarbeiten willst. Schaue dir dazu am besten deinen nächsten Tagesplan am Vortag an und lege fest, wann du was machen willst, nimm dabei deine fixen Termine und Gewohnheiten als Richtwert. Was soll vor dem Mittagessen erledigt werden oder bevor die Kinder von der Schule nach Hause kommen? Was mache ich nach diesem und jenem Termin? Kann ich vielleicht zwei Dinge miteinander verbinden? Du kannst dir auch eigene Regeln aufstellen, z.B. “Ich schalte das Internet erst ein, wenn ich 500 Wörter geschrieben habe.” oder “Ich kümmere mich erst um die Wäsche, wenn ich eine Runde Joggen gewesen bin.”

Wenn es sich machen lässt, erledige jene Aufgabe als erstes, die für dich an diesem Tag die höchste Priorität hat und dich persönlich weiterbringt. Steht dann die schmutzige Wäsche oder das nächste Kapitel an erster Stelle? Mit dieser Taktik kannst du vermeiden, dass du vorher alle Dinge erledigst, die zwingend erledigt werden müssen und am Ende des Tages kaum noch Zeit für die Dinge übrig bleibt, die dir eigentlich am Herzen liegen.

Eine gewisse Selbstdisziplin ist dafür schon notwendig. Aber du hast ja vermtlich auch vor, Bücher zu schreiben bzw. selbständig zu sein. Da ist die Einhaltung von Tagesplänen eine gute Übung, um sich an selbst auferlegte Regeln und Abläufe zu halten. Außerdem ist es ein gutes Gefühl, wenn man am Ende des Tages alle anstehenden Aufgaben abhaken kann.

Zettelwirtschaft vermeiden

Post-its, Notizzettel und lose Seiten verursachen meistens mehr Chaos als Ordnung. Daher empfehle ich dir entweder alle Aufgaben in einem Kalender * oder in einem Notizbuch * festzuhalten. Alternativ kannst du auch einfach einen Collegeblock oder ein Heft verwenden. Es geht vor allem darum, dass du stets auf deine Aufgabenliste zurückgreifen kannst und dir deine Tages- und Wochenplanung leichter fällt, als sie es vielleicht momentan tut.

Routine

Anfangs wird es nicht so leicht sein, sich für die kommende Woche Gedanken zu machen und konkrete Aufgaben festzulegen und diese nachher auch einzuhalten. In diesem Fall sind Routine und Gewohnheit – wie so oft – deine besten Freunde. Wenn du vorher spontan alle Aufgaben erledigt hast, wie sie dir gerade in den Sinn gekommen sind, ist das Vorausplanen natürlich eine Umstellung. Aber du solltest auf jeden Fall dranbleiben. Mit der Zeit wirst du nämlich feststellen, dass deine Tage um einiges strukturierter und produktiver ablaufen werden.

Hast du noch Tipps, wie man sich selbst besser organisieren kann? Planst du deine anstehenden Aufgaben oder bevorzugst du das kreative Chaos?

 

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Ich schmeiß alles hin und werd Autorin #2

Die Entscheidung, zu schreiben und damit Geld zu verdienen ist der erste Schritt. Nun stellt sich die Frage, wie dieses Vorhaben realisiert werden soll. Einfach alles hinschmeißen und loslegen kann funktionieren, ist aber eine riskante Variante. Ich finde es ratsamer, Vorbereitungen zu treffen und einen realistischen Plan zu erstellen.

Vielleicht stehst du auch gerade davor, eine Entscheidung zu fällen, die womöglich dein Leben verändert. Du hast das Gefühl aus dem bisherigen Trott ausbrechen zu müssen, etwas zu ändern oder einen neuen Schritt zu wagen. Es liegt dir schon richtig auf der Zunge, allen von deinen neuen Plänen zu erzählen und endlich deinen Traum zu leben.

Wenn da nur die Realität nicht wäre. Die harte Wirklichkeit besteht aus Rechnungen, die bezahlt werden müssen, skeptischen Kommentaren von Freunden, Kollegen und Verwandten und den allgegenwärtigen Zweifeln, ob diese Idee überhaupt vernünftig ist. Viele scheitern bereits an diesem Punkt und lassen alles lieber beim Alten, da es einfach zu viele ungewisse Faktoren gibt. Kann ich überhaupt vom Schreiben leben? Will ich das denn wirklich durchziehen? Habe ich die nötige Selbstdisziplin dafür? Was werden andere von dieser Idee halten? Und vieles, vieles mehr. Natürlich können weder du noch ich in die Zukunft sehen, alle möglichen Fehlversuche und Unsicherheiten vorauszuahnen, was die Sache erheblich einfacher machen würde.

Jedoch gibt es eine Möglichkeit, Unsicherheiten vorzubeugen: Nämlich das Planen. Von heute auf morgen alles hinzuschmeißen ist weniger sinnvoll, vor allem da du vermutlich nach der ersten Euphorie schnell ins Zweifeln kommen wirst, ob diese Entscheidung nun richtig gewesen ist. Stattdessen solltest du strukturiert an das Projekt “AutorIn” herangehen und dir auch Zeit für die Planung nehmen. Ich habe etwa ein Jahr vorher begonnen, darauf hinzuarbeiten. Ob dieser Zeitraum zu kurz oder zu lange ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Du solltest nur darauf achten, dass die Zeit für dich nicht zu kurz ausfällt, da du sonst vielleicht das Gefühl hast, dass du dein “Sicherheitsnetz” nicht gut genug ausgebaut hast. Wenn du die Zeitraum zu lange ansetzt, kann es sein, dass du nie den endgültigen Schritt wagen wirst, da du immer glaubst, dass du noch ein bisschen mehr Vorbereitungszeit benötigst.

Der Plan

Bevor du dich daran machst zu planen, solltest du dir überlegen, was du überhaupt planen willst. Welche Faktoren sind für dich besonders ungewiss? In welchen Bereichen benötigst du unbedingt Sicherheit, damit du mit einem guten Gefühl ins Autorenleben starten kannst?

Für mich gab es zwei große Fragen, die mir die meisten Kopfzerbrechen bereitet haben:

1. Wie kann ich ohne Fixanstellung trotzdem alle Rechnungen bezahlen?

2. Wie schaffe ich es, einen Alltag ohne festgesetzte Arbeitszeiten zu strukturieren?

Die finanzielle Frage wird wahrscheinlich für die meisten ein schwerwiegender Punkt sein und vermutlich auch der häufigste Grund, weshalb die Pläne vom Autorendasein verworfen werden. Hier kann eine gute Vorbereitung Abhilfe schaffen:

1. Ein finanzielles Polster schadet nicht. Du kannst z.B. Einen Teil deines Einkommens beiseite legen. Ich spreche von 2-10% deines monatlichen Einkommens, je nachdem wieviel du entbehren kannst. Mit der Zeit sammelt sich so ein kleines Polster an, auf das du später zurückgreifen kannst. Diese Methode erscheint manchen vielleicht als unmöglich, da sie ihr gesamtes Geld für alle anfallenden Ausgaben benötigen, weshalb am Ende des Monats nichts mehr übrig bleibt, das man beiseite legen könnte. Tipp: Nimm den entsprechenden Prozentsatz gleich zu Beginn des Monats weg. Wenn du mit 100% deines Geldes auskommst, schaffst du es auch mit 98%.

2. Neben dem Brotjob ein zweites Standbein aufbauen. Hierfür eignet sich z.B. die Arbeit als Freelancer. Du kannst für andere Texte schreiben/korrigieren, eine Homepage entwerfen, Bilder bearbeiten, Daten eingeben, etc. Plattformen wie upwork.com, freelancer.com, SCRiBBR und SCRIBERSHUB machen es möglich, sich von Zuhause aus noch etwas dazuzuverdienen (und um hier wieder einen entsprechenden Prozentsatz für das finanzielle Polster beiseite zu legen). Der Vorteil: Du kannst diese Arbeit später intensivieren, wenn du deinen Brotjob gekündigt hast. Achte aber darauf, dass das Freelancing nicht Überhand nimmt und dich wieder vom Schreiben abhält. Und verkaufe dich bloß nicht unter Wert. Wenn dich das Thema Freelancing interessiert, kann ich dir Pascal Schafft empfehlen.

3. Du musst nicht alles sofort hinschmeißen. Suche dir einen Teilzeitjob oder eine geringfügige Anstellung, je nachdem, was für dich passt, damit du mehr Zeit zum Schreiben hast.

Ich habe es in einem Jahr geschafft, mir ein finanzielles Polster aufzubauen, damit ich etwa 12 vielleicht auch 18 Monate davon leben kann, selbst wenn ich überhaupt nichts einnehmen sollte. Ganz einfach war das nicht, da ich die meiste Zeit drei Jobs parallel am Laufen hatte. Ich habe mir als Lektorin und Ghostwriterin über upwork ein paar Kunden geangelt, die regelmäßig Aufträge für mich haben, womit ich bereits einen Teil meiner monatlichen Kosten abdecken kann. Außerdem gebe ich in einem privaten Institut für Erwachsenenbildung einen Deutsch-Förderkurs, der ebenfalls ein bisschen was einbringt ohne dabei zu viel Zeit in Anspruch zu nehmen.

Bleibt noch die zweite Frage zu klären: Wie strukturiere ich einen Tag, wenn ich keine zeitlichen Vorgaben habe?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Einen Zeitplan mit Tagesaufgaben und Zielen erstellen. Klingt in der Theorie simpel, ist in der praktischen Umsetzung jedoch schwieriger als gedacht. Gerade, wenn man die Möglichkeit hat, sich seine Zeit frei einzuteilen, ist man schon dazu verleitet, seinen Tag so bequem wie möglich zu gestalten. Sei es, um in Ruhe ausschlafen zu können, endlich den Frühjahrsputz zu erledigen oder sich gemütlich mit Freunden im Café unterhalten.

Es spricht nichts dagegen, sich seine Zeit so einzuteilen, dass man sich damit wohlfühlt. Allerdings sollte man nicht vergessen, was das eigentliche Ziel ist und dementsprechend muss auch darauf hingearbeitet werden. Daher solltest du dir vorher im Klaren sein, was du erreichen willst und dir einen Plan erstellen, was du z.B. innerhalb des nächsten Jahres erreichen willst. Der große Plan wird anschließend in einzelne Schritte unterteilt, die wiederum auf Monate, Wochen und Tage heruntergebrochen werden können.

Anschließend musst du “nur” noch eine Lösung finden, wie du deine beruflichen Ziele (in diesem Fall das Leben als Autor) und deinen Alltag (Haushalt, Kinder und was sonst noch so an Verpflichtungen anfällt) täglich unter einen Hut bringst.

Wie diese Zeiteinteilung funktionieren kann, zeige ich dir im nächsten Artikel.

Wie weit bist du in deiner Planung? Fühlst du dich schon sicher genug, um deinen Brotjob zu kündigen oder fehlen dir noch ein paar Vorbereitungen?

Ich schmeiß alles hin und werd Autorin #1

Ich hab´s getan. Manche werden mich als “leichtsinnig” verurteilen, andere werden mich “mutig” nennen. Wie auch immer … ich habe meinen Brotjob gekündigt. Ich schmeiße alles hin und werde Autorin.

Warum diese drastische Maßnahme? Schließlich gibt es ja auch die Möglichkeit, zu arbeiten und nebenbei zu schreiben. Autoren wie Benjamin Spang und Marcus Johanus machen es vor und dafür haben sie meinen größten Respekt, denn ich habe keine Ahnung, wie sie das anstellen. Klar, früh aufstehen, um noch vor dem Brotjob eine Stunde zu schreiben und jede freie Minute nutzen, um wieder ein paar Sätze in die Tasten zu hauen, sind wahrscheinlich die besten Tipps überhaupt. Jedoch habe ich das Problem, dass ich das Schreiben immer als zweitrangig betrachte, solange noch andere Aufgaben zu erledigen sind. Davon abgesehen bin ich ziemlich faul und schlafe gerne so lange es nur irgendwie möglich ist. Gut, mit etwas mehr Selbstdisziplin und einer Änderung meiner Prioritäten würde ich wohl auch dieses Problem in den Griff bekommen.

Meine Beweggründe, weshalb ich mich schließlich für eine Kündigung entschieden habe, sind aber noch einmal etwas anders: Ich habe die letzten Monate in einem Büro an der Uni gearbeitet. Grundsätzlich ist der Arbeitsbereich interessant, denn ich habe ein internationales Austauschprogramm für Studierende und Professoren verwaltet, die Arbeitskollegen waren nett und die Bezahlung war zwar nicht herausragend, aber auch nicht absolut mies. Was also war mein Problem? Seitdem ich dort angefangen habe, litt ich regelmäßig an Sodbrennen, Schlafproblemen, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Ich konnte nicht mehr abschalten und war einfach mit der Situation unglücklich. Und wozu das alles? Damit andere im Ausland studieren und forschen können. Dafür wollte ich mich nicht länger krank machen lassen. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich etwas verändern muss, wenn ich in diesem Leben noch glücklich werden will.

Diese Entscheidung ging sofort mit Zweifeln und Befürchtungen einher. Was, wenn ich mit dem Schreiben kein Geld verdiene und auf der Straße lande? Wie wird meine Familie darauf reagieren? Wird sie versuchen, mir die Sache auszureden oder mich für einen hoffnungslosen Deppen halten? Und was passiert, wenn ich nach ein, zwei Jahren feststelle, dass es nicht so gut läuft, wie ich es mir erwartet hätte und ich wieder unglücklich bin?

Sobald ich mich ernsthaft mit dem Gedanken auseinandergesetzt habe, alles hinzuschmeißen und Autorin zu werden, kam sofort das Gefühl auf, dass ich alle Brücken hinter mir abreißen und mich ins Verderben stürzen würde. Wenn du schon einmal in einer ähnlichen Situation gewesen bist, kannst du meine Gefühlslage sicher nachvollziehen. 😉 Ein guter Tipp, wenn du dich ebenfalls in einer Umbruchphase befindest: Rede mit ein, zwei vertrauten Menschen darüber. Es bringt überhaupt nichts, wenn du dich tagtäglich in ein Gedankenkarussell stürzt und du daraus nicht mehr entkommen kannst. Ein Gespräch mit einer Vertrauensperson bringt nicht nur Erleichterung, sondern verschafft dir auch eine andere Sichtweise auf die Situation. Nach mehreren langwierigen, nervenaufreibenden und ernsthaften Gesprächen mit meinem Mann konnte ich meine Befürchtungen soweit relativieren, dass ich bei dem Gedanken daran nicht mehr völlig in Panik ausgebrochen bin und meine Ängste neutraler betrachten konnte:

1. Der finanzielle Aspekt: Ich hab mir die Jahre zuvor ein bisschen was zur Seite gelegt, damit ich notfalls 12-18 Monate ohne jedes Einkommen über die Runden kommen kann. Außerdem fange ich nicht komplett bei Null an, sondern habe inzwischen zwei Romane veröffentlicht, Ideen für neue Geschichten habe ich genug und ich habe mir zusätzlich ein kleines, noch ausbaufähiges Standbein als Lektorin und Ghostwriterin aufgebaut. Ich verdiene damit noch nicht so wahnsinnig viel, aber ich weiß, dass durchaus mehr drin sein kann, da ich bereits ein paar Kunden habe, die mit meiner bisherigen Arbeit zufrieden sind. Die große Erkenntnis: Ich werde also nicht demnächst unter der Brücke in einem Pappkarton hausen.

2. Der familiäre Aspekt: Ich weiß ja nicht, wie es bei dir Zuhause aussieht, aber in meiner Familie wird jeder Selbständige abschätzig von der Seite betrachtet und als “Gauner” bezeichnet, der sein Geld ohnehin nur gestohlen hat. Eine fixe Vollzeitanstellung für die nächsten 40-50 Jahre ist das einzig Wahre und dass man sich damit keinen Ferrari oder Luxusvillen leisten kann, ist klar. “Dazu ist unsereins eben nicht gemacht.” Beste Voraussetzung also, um den altgedienten Familienvorstellungen den Rücken zu kehren und etwas ganz anderes zu machen (Achtung: Sarkasmus). Vor der Missachtung meiner Familie hatte ich fast mehr Angst als vor dem finanziellen Ruin.

Ich hatte bereits einen Monat zuvor meine Kündigung eingereicht, bevor ich auch nur annäherend den Mut hatte, meinen Eltern davon zu erzählen. Und ehrlich: So nervös bin ich schon lange nicht mehr gewesen. Die Reaktion fiel überraschenderweise völlig anders aus, als erwartet. Anstelle von Belehrungen, Empfehlungen, ich solle mir die Sache noch einmal überlegen und Mahnungen, dass ich vorsichtig sein solle. Kam ganz nüchtern: “O.k., passt” und “Du musst wissen, was für dich gut ist und was nicht.” Das war´s. Keine Nachfragen, keine Warnungen, nichts.

Was mir natürlich auch sehr geholfen hat und mir immer noch Mut macht, sind die vielen lieben Worte und Glückwünsche, die ich auf Instagram und Twitter bekommen habe. An dieser Stelle möchte ich allen noch einmal Danke sagen: Ihr seid großartig!

Wie sieht mein weiterer Plan aus?

Ich werde als Ghostwriterin und Lektorin weiterarbeiten. Mir macht die Arbeit Spaß und sie bringt vorerst noch mehr Geld ein als meine Romane. Allerdings bleibt mein Vorhaben, von meinen Romanen leben zu können, weiterhin mein großes Ziel. Dazu möchte ich eine Autorenhomepage erstellen und natürlich schreiben, schreiben, schreiben. 🙂 Außerdem plane ich einen Schreibratgeber für Autoren zu veröffentlichen, der hoffentlich dieses Jahr noch fertig wird.

Stehst du auch an der Schwelle, alles hinzuschmeißen und AutorIn zu werden? Oder bist du schon einen Schritt weiter? Hinterlasse mir dazu gerne einen Kommentar!

Hinweis: Den Podcast zu meinem Artikel findest du hier.

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