Der Musenkuss

Musiker, Maler, Schrifsteller und alle anderen “Kreativen” warten sehnsüchtig auf die Eingebung, die zündende Idee oder einfach nur auf den entscheidenden Hinweis, damit das Werk endlich fertig gestellt werden kann. Ohne die Schutzgöttinnen der Künste läuft überhaupt nichts in Sachen Kreativität – zumindest laut der griechischen Mythologie. Neben den Schutzgöttinnen gibt es noch die realen Musen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Frauen, die den Künstler inspieren: Entweder durch ihren Charakter, ihre Ausstrahlung, ihre menschliche Zuwendung oder durch eine erotische Beziehung.


 

Stellt sich die Frage, ob die künstlerische Kreativität von äußerlichen Einflüssen abhängig ist oder man auch ohne Musenkuss Inspiration finden kann?

Inspiration in der Antike

Abgeleitet vom lateinischen inspiratio, versteht man unter Inspiration die “Beseelung” bzw. das “Einhauchen” einer Idee. Da diese Einfälle wie aus dem Nichts aufzutauchen scheinen, stellte man sich im antiken Griechenland Musen vor, die ihren kreativen Schützlingen Beistand leisteten. Die heute bekanntesten Schutzgöttinnen der Künste kennen wir aus den Überlieferungen des griechischen Dichters Hesiod (* vor 700 v. Chr.). Laut Hesiod sind die neun Musen Töchter der Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung, und Zeus. Hesiod wies den Musen nur ihre Namen zu, ihre speziellen Zuständigkeitsbereiche und ihre Attribute, also spezielle Merkmale, damit man die Muse als solche erkennt, wurden erst zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt.

Zusatzinfo: Eine Schutzgöttin für jeden Bereich

Für jeden relevanten Kunstbereich gab es laut der griechischen Mythologie eine bestimmte Muse, die man um Inspiration bitten konnte. Die neun olympischen Musen sind die heutzutage bekanntesten:

  • Klio: Muse der Geschichtsschreibung, Attribute: Papierrolle und Schreibgriffel
  • Melpomene: Muse der Tragödie, Attribute: Ernste Theatermaske und Weinlaubkranz
  • Terpsichore: Muse der Chorlyrik (für einen Chor oder einen Chorteil bestimmte Dichtung), Attribut: Leier
  • Thalia: Muse der Komödie, Attribute: Lachende Theatermaske, Efeukranz und Krummstab
  • Euterpe: Muse der Lyrik und des Flötenspiels, Attribut: Doppelflöte (auch Aulos genannt, ist ein antikes Blasinstrument)
  • Erato: Muse der Liebesdichtung, Attribute: Saiteninstrument und Leier
  • Urania: Muse der Astronomie, Attribute: Himmelkugel und Zeigestab
  • Polyhymnia: Muse des Gesangs mit der Leier, kein spezifisches Attribut, wird oftmals mit einer Leier dargestellt
  • Kalliope: Muse der epischen Dichtung, der Rhetorik, der Philosophie und der Wissenschaft, Attribute: Schreibtafel und Schreibgriffel

 

Vermutlich stellen sich jetzt einige die Frage, warum es mehrere Musen für die Lyrik und für die Musik gab, aber keine einzige für die Malerei, die Bildhauerei oder ähnliches. Das liegt daran, dass alle handwerklichen Künste – wie wir sie heute verstehen – im antiken Griechenland nicht als Kunst angesehen wurden. Alle Arbeiten, die mit Händen verrichtet wurden, wie z.B. das Malen von Gemälden oder das Behauen von Stein, sahen die alten Griechen nur als niedere Werke an. Im Gegensatz dazu besaß die Dichtung, das Schauspiel und die Rhetorik (die Kunst, Reden zu halten) einen sehr hohen Stellenwert. Selbst ein Arzt stand gesellschaftlich unter dem Rhetoriker, da dieser seine Arbeit ebenfalls mit den Händen verrichtete und nicht mit dem Geist.

Angenommen, die neun Musen schwirren heute noch um uns herum (und haben sich inzwischen den modernen Gegebenheiten angepasst, um auch alle handwerklichen Künstler zu unterstützen 😉 ). Müssen wir uns hinsetzen und auf den Kuss der Muse warten? Oder gibt es nicht doch ein paar Tipps, damit uns Ideen eingehaucht werden?

Ein Perpetuum mobile der Ideen

Wir müssten also selbst dazu in der Lage sein, kreative Einfälle zu generieren. Wer schon einmal ohne Idee vor einem leeren Blatt Papier und über eine neue Story nachgedacht hat, weiß, dass man Inspiration nicht erzwingen kann. Meistens, wenn wir kreativ sein möchten, funktioniert es nicht. In manchen Fällen stellt sich sogar eine Schreibblockade ein.

Inspiration passiert also nicht auf Knopfdruck. Trotzdem gibt es ein paar Möglichkeiten, um die kreativen Einfälle zu fördern. Bevor wir aber dazu kommen, werfen wir einen Blick darauf, wie unser Gehirn überhaupt arbeitet.

Vom L- und R-Modus

Der Psychobiologe Roger W. Sperry entwickelte in den 1970er Jahren die sogenannten “Split Brain”-Studien. Im Wesentlichen lautete Sperrys Theorie, dass die linke Gehirnhälfte für die Kreativität und die rechte Gehirnhälfte für das analytische und logische Denken zuständig ist.

Inzwischen ist die Vorstellung von zwei separat tätigen Gehirnhälften überholt, man spricht stattdessen vom L-Modus (=linearer Modus) und R-Modus (=reichhaltiger Modus).

Die grundlegenden Eigenschaften bzw. Schwerpunkte dieser beiden Modi kann man folgendermaßen zusammenfassen:

  • L-Modus: verbale, analytische, rationale und logische Verarbeitung
  • R-Modus: nonverbale, irrationale und intuitive Verarbeitung. Nötig für kreative Ideen.

Die Vorstellung, dass immer nur eine Gehirnhälfte besonders aktiv ist, während die andere “pausiert” ist heute nicht mehr ganz richtig. Vielmehr geht man davon aus, dass das Gehirn zwischen den beiden Modi wechselt bzw. dass Menschen mehr zu einem Modus tendieren.

Ein alltägliches Problem: Man versucht krampfhaft, sich an einen Namen zu erinnern, der einem einfach nicht einfallen will. Irgendwann gibt man auf, sich erinnern zu wollen und wendet sich einer anderen Sache zu und plötzlich fällt einem der Name wieder ein.

Was ist passiert? Der R-Modus war weiterhin aktiv und hat weiter nach dem Namen gesucht, während man sich mit etwas anderem beschäftigt hat. Wie eine Muse lässt sich der R-Modus nicht auf Kommando herbeirufen, aber er arbeitet im Hintergrund, um uns die Ideen in einem unerwarteten Moment zuzuspielen.

Wie kann ich meine Inspiration fördern?

Routine und Schreibzeug: Krampfhaft an etwas arbeiten zu wollen, funktioniert nicht. Die Erfahrung hat jeder von uns schon gemacht. Bevor man verzweifelt vor dem PC auf die Inspiration wartet, sollte man eine Pause machen und einer routinierten Tätigkeit nachgehen. Z.B. Spazierengehen oder die Hausarbeit erledigen, wie Fenster putzen oder Wäsche zusammenlegen. Der Klassiker schlechthin: Duschen. Unter der Dusche hat man erfahrungsgemäß die besten Ideen.

Darum sollte man immer Stift und Papier oder das Smartphone bereithalten, um die Einfälle sofort zu notieren.

Noch mehr Schreibzeug und weniger Kritik: Es muss nicht immer die zündende Idee sein, die plötzlich über einen hereinbricht. Manchmal genügt es schon, sich kleine Ideen aufzuschreiben und Beobachtungen festzuhalten, die z.B. für einen Roman interessant sein könnten.

Die Ideen müssen nicht perfekt sein. Egal wie lächerlich oder verrückt Einfälle zu scheinen mögen, es schadet nicht, wenn sie notiert ist. Der R-Modus benötigt Freiraum, um sich entfalten zu können, wenn ihm ständig der L-Modus mit Kritik dazwischenfunkt, wird er sich zurückziehen. Darum sollte man die Analyse der Einfälle nach hinten verschieben.

Abwechslung und neue Eindrücke: Ständig vor dem Computer im selben Raum zu sitzen, fördert nicht unbedingt kreative Ideen. Zum konzentrierten Arbeiten ist ein möglichst von der Außenwelt isolierter Raum sehr vorteilhaft. Aber um Ideen zu gewinnen, bringt es wenig, sich von der Außenwelt abzuschotten. Stattdessen sollte man sich erlauben, neue Eindrücke zu gewinnen. Dafür muss nicht alle paar Wochen eine Weltreise angetreten werden. Es genügt oftmals schon ein Spaziergang im Park bzw. im Shopping Center oder ein Cafébesuch. Manchmal reicht es sogar, einfach nur seinen Schreibtisch neu zu ordnen.

Mit der Abwechslung und den neuen Eindrücken verläuft das Denken in eine andere Richtung und kreative Einfälle haben es leichter, in das Bewusstsein vorzudringen.

Fazit:

Es ist also wichtig, möglichst unverkrampft und entspannt neue Ideen zuzulassen. Druck und eine zu hohe Erwartungshaltung stören den R-Modus nur in seiner Arbeit. Stattdessen braucht man Geduld, um die Ideen reifen zu lassen und Abstand vom gewohnten Arbeitsumfeld. Außerdem sind Denkpausen sehr wichtig – in der Zeit kann man nämlich seine Muse knutschen. 😉

 

Hier noch zwei Links mit Tipps für die Inspiration:

Blog: Purepleasuredesign

Wikihow

Habt ihr noch weitere Tipps, wie man Inspiration fördern kann? Was macht ihr, wenn eine kreative Blockade auftritt?

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