Ich schmeiß alles hin und werd Autorin - ein Rückblick

Ich schmeiß alles hin und werd Autorin – ein Jahr danach

Vor etwa einem Jahr habe ich stolz verkündet, dass ich meinen Bürojob hinschmeiße, um mich intensiver dem Schreiben zu widmen. Was ist inzwischen passiert? Ein kurzer Rückblick.

Die Ausgangssituation

Es gab diesen Moment, in dem ich mich gefragt habe, was ich hier eigentlich mache und ob ich das alles wirklich will. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich Schlafprobleme, Sobrennen und Zahnschmerzen vom unbewussten Zähneknirschen. Ich hatte das Gefühl, etwas in meinem Leben verändern zu müssen, um glücklich zu werden. Ich wollte einfach nicht mehr so weitermachen. Die Entscheidung zu kündigen, fiel mir wirklich nicht leicht. Was würde meine Familie dazu sagen? Wie sollte ich ohne fixen Job Geld verdienen? Das waren nur zwei von vielen Fragen, die ich für mich selbst klären musste, um eine Entscheidung treffen zu können.

Was hat sich seither getan?

Mir ist es bisher leider noch nicht gelungen, vom Schreiben leben zu können, womit ich aber auch nicht wirklich gerechnet habe. Jedoch hatte ich viel Zeit, um mich intensiv mit dem Schreiben auseinanderzusetzen und mich an verschiedenen Projekten auzuprobieren. Ich habe eine Geschichte für einen Heftroman geschrieben, die der Verlag trotz vorangegangem Interesse dann doch nicht mehr haben wollte – warum auch immer. Ich habe Aufträge als Ghostwriter angenommen und einen Ratgeber für Autoren geschrieben, bei dem es um die Entwicklung von Romanfiguren geht und der diesen Sommer erscheinen wird. Da es sich davon noch nicht leben lässt, gebe ich ein paar Kursstunden in einem Institut für Erwachsenenbildung und übernehme Lektorate sowie virtuelle Assistenzarbeiten. Die restliche Zeit versuche ich mich auf das Schreiben zu konzentrieren, was aber nicht immer so einfach ist.

Der liebe Alltag

Irgendwas ist immer. Du kennst das bestimmt. Eigentlich hattest du dir Zeit für deinen Roman eingeplant, aber dann kommt doch wieder etwas dazwischen. Sei es der längst fällige Wocheneinkauf, der Wäscheberg oder Mitmenschen, die ohne deine Hilfe völlig aufgeschmissen wären. ( 😉 )

Wenn du überhaupt etwas zustandebringen willst, brauchst du unbedingt eine gute Organisation und eine realistische Zeiteinteilung. Sonst wird das nix mit der Zeit zum Schreiben. Es ist für mich vor allem schwierig, die Balance zwischen Kundenprojekten und eigenen Projekten zu finden. Ich neige dazu, mehr Arbeit anzunehmen, als ich eigentlich will, nur um mein Gewissen zu beruhigen und das Gefühl zu haben, mich finanziell abzusichern. Dabei bleiben dann gerne meine eigenen Projekte auf der Strecke.

Besonderer Pluspunkt

Ich habe in diesem Jahr einige neue Kontakte geknüpft und gehöre zum Schreibmeer-Team, was mich besonders freut. Außerdem habe ich das Gefühl, mich schrittweise meinem Ziel zu nähern, auch wenn es nicht so schnell vorangeht, wie ich es mir wünschen würde. Ich liebe es, die Freiheit zu haben, mich mit dem Lesen und Schreiben genauer beschäftigen zu können und ich immer etwas Neues lerne und dabei das Gefühl habe, mich zu verbessern.

Status Quo

Ich bereue die Kündigung nicht, jedoch gerate ich immer wieder in die Versuchung, wieder einen fixen Job anzunehmen, weil es so doch viel “einfacher” zu sein scheint. Die regelmäßig auftauchenden Zweifel, dass eine Autorenkarriere doch völlig unrealistisch ist, erleichtern mir die Sache nicht gerade. Aber jedes Mal, wenn ich an diesem Punkt ankomme, erinnere ich mich daran, wie ich mich vor einem Jahr gefühlt habe und ich nicht mehr dorthin zurück möchte.

Fazit

Es ist nicht einfach, sich seinen Traum vom Schreiben zu erfüllen und es gibt immer wieder Versuchungen und Zweifel, ob die Entscheidung richtig war. Es kommt mir allerdings zugute, dass ich vor meiner Kündigung Vorbereitungen getroffen und mir ein finanzielles Polster geschaffen habe. Das nimmt einiges an Druck weg und es fällt einem leichter, sich auf das Schreiben zu konzentrieren.

Ich genieße die Freiheit, meine Zeit einteilen zu können und ich mich nicht nach fixen Arbeitszeiten richten muss.

Bereitest du dich gerade darauf vor, vom Schreiben leben zu können? Hast du es womöglich schon geschafft? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

 

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4 Kommentare

  1. Irgendwie finde ich mich hier wieder. Der Einstieg war anders – eine lange Geschichte – aber derzeit verdiene ich Geld mit freiberuflichen Übersetzungen und stelle fest, dass ich nach 4-6k Wörtern dann zu viel Leere im Kopf habe, um vernünftig an einem meiner Schreibprojekt zu arbeiten. Ich mache immer wieder neue Ansätze – es ist tatsächlich nicht so sehr die Zeit, die mir fehlt, sondern die nötige Konzentration für einen eigenen Text, wenn ich stundenlang die Worte anderer Autoren auf Deutsch wiederzugeben versucht habe. Ich hadere schon länger damit und bin oft am Aufgeben, aber dann sehe ich wieder so interessante Dinge, über die ich eigentlich schreiben möchte …
    Keine Ahnung, wie das am Ende ausgehen wird.

  2. Ich kann mich mit dem, was du schreibst so doll identifizieren! Ich habe irgendwann leider angefangen irgendwie diese Sehnsucht, mit dem Schreiben Geld zu verdienen, loswerden zu wollen und bin studieren gegangen – 3 Jahre lang habe ich mich an zwei Unis rumgequält und konnte meinen Traum nicht vergessen! Bis es mir irgendwann körperlich nicht mehr so gut ging und ich beschloss mein Studium abzubrechen und mich nur aufs Schreiben zu konzentrieren! Natürlich macht es einem die Gesellschaft oder das eigene Umfeld nicht immer leicht mit Kommentaren und Sprüchen, jedoch habe ich meine Lieblingsmenschen um mich, die dennoch an mich glauben und das wichtigste ist, dass man selbst an sich glaubt! Gerade dein letzter Satz deines Artikels ist genau das, was ich mir auch immer wieder sage!

    Richtig schöner Post! ♥
    Liebe Grüße, Sandra

    P.S.: Bin jetzt ebenfalls beim Schreibmeer Team 🙂

    • Hallo Sandra,
      zuerst einmal herzlich Willkommen im Schreibmeer-Team. 🙂
      Vielen Dank, freut mich, wenn dir der Beitrag gefällt. Und es ist auch immer gut zu wissen, dass man nicht allein ist. 🙂 Dass es dir körperlich nicht mehr gut ging, kann ich nachvollziehen. Ich habe zwar gerne studiert und ich vermisse die Uni auch vier Jahre nach meinem Abschluss noch, aber dafür bin ich immer wieder in Jobs gelandet, die mich völlig fertig gemacht haben. Da hilft dann nur noch die Notbremse zu ziehen.

      Liebe Grüße
      Caro

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