Was man von diesen 3 Autoren lernen kann

Was man von diesen 3 Autoren lernen kann

Es schadet nie, wenn man mal einen Blick auf bereits erfolgreiche AutorInnen wirft und sich ansieht, warum sie überhaupt erfolgreich sind. Was machen sie anders oder besser als andere? Natürlich spielt Glück eine ganz große Rolle. Schließlich kann man kaum beeinflussen, bei welchem Lektor das Manuskript landet. Vielleicht findet Lektor A das Manuskript nicht gut, während Lektor B im selben Verlag Interesse am Manuskript gehabt hätte. Aber davon abgesehen gibt es auch noch andere Faktoren, weshalb diese AutorInnen inzwischen vom Schreiben leben können. Die gute Nachricht: Ein paar davon kann man sich selbst aneignen.
Aktuell habe ich 3 Lieblingsautoren, von denen ich den Eindruck habe, dass man als Autor einiges von ihnen lernen kann.

Jojo Moyes: Bildsprache und Emotionen

Ich bewundere die Autorin, da es ihr gelingt, Gefühle durch Bilder darzustellen und diese Gefühle auch bei den LeserInnen hervorzurufen. Ich denke, das ist der Grund, weshalb ihre Romane die LeserInnen berühren und teilweise auch zum Weinen bringen. (Soll ja angeblich beim Ende von “Ein ganzes halbes Jahr” des Öfteren der Fall gewesen sein).
Hier ein Beispiel aus der Kurzgeschichte “Der Mantel vom letzten Jahr” aus “Kleine Fluchten. Geschichten vom Hoffen und Wünschen”*

“Noch vor kurzem hätte Evie den Mantel gekauft. Sie hätte ihn in der Mittagspause hochgehalten, ihn ihren Kolleginnen vorgeführt und ihn in seiner edlen Tüte nach Hause getragen, und jedes Mal, wenn die Tüte gegen ihre Beine geschlenkert wäre, hätte sie befriedigt deren Gewicht gespürt.”

Beim Lesen kann man genau nachempfinden, wie sich die Figur fühlt. Ich glaube, jeder weiß, wie es sich anfühlt, wenn man sich über einen Einkauf freut und die Tüte voller Stolz nach Hause trägt.

Ich mag auch die Art und Weise, wie Moyes Figuren in Dialogen charakterisiert. Das Beispiel ist ebenfalls aus “Der Mantel vom letzten Jahr”. Hier tritt Evies Mann Pete zum ersten Mal auf:

“Komm jetzt, Schatz. Gehen wir schlafen.” Petes Hände legen sich sanft auf ihre Schultern.
“Ich bin noch mit Abrechnungen beschäftigt.”
“Dann lass uns kuscheln, um uns warm zu halten. Ich denke dabei natürlich nur an die Heizkosten”, fügt er ernst hinzu. “Ehrlich. Ich würde es kein bisschen genießen.”
Ihr Lächeln ist schwach, mehr ein Reflex. Er legt den Arm um sie. “Komm, Süße. Es wird schon gutgehen. Wir haben Schlimmeres überstanden.”

In diesen wenigen Sätzen wird deutlich, dass Pete eine liebevolle und optimistische Person ist, ohne dass es einmal explizit erwähnt werden muss. Ich finde es immer toll, wenn Informationen hinter den Worten stecken und man sich als Leser selbst den Rest zusammenreimen kann.

Was kann man daraus lernen?

Moyes wendet die Technik des Show, don’t tell sehr oft an. Sie verzichtet oftmals darauf, Gefühle beim Namen zu nennen, sondern beschreibt diese in einer bildhaft orientierten Sprache. Sie verwendet neue oder selten genutzte Bilder, um Gefühle zu schildern. Zum Beispiel wie in “Ein ganz neues Leben”: “(…) aber mit dem wiederkehrenden Bewusstsein wächst eine Horrorvorstellung in mir. Wie ein riesiger Airbag, der sich in meinem Körper aufbläst und nach und nach alles andere wegdrückt.”
Versuche also bildhaften Beschreibungen von Gefühlen und Charaktereigenschaften in deine Geschichten einzubauen.

Ken Follett: Recherche und Detailtreue

Als Historikerin bin ich historischen Romanen gegenüber ja immer etwas skeptisch. Egal ob Buch, Film oder Serie, im Hinterkopf überlege ich immer, ob die Darstellungen richtig sind oder ob aus historischer Sicht etwas völlig unmöglich ist. Bei Ken Follett mache ich mir in dieser Hinsicht allerdings keine Gedanken. Ich bin ein großer Fan seiner Jahrhundert-Saga-Reihe*. Ich finde es beeindruckend, wie er darin knapp 100 Jahre Geschichte zusammenfasst.
Was Recherche und Detailtreue betrifft, gehört der britische Autor definitiv zu meinen Favoriten. Wobei man dazusagen muss, dass Follett nicht alleine arbeitet. Insgesamt unterstützt ihn ein Team aus 20 Mitarbeitern, darunter fallen persönliche Berater, Agenten, Rechercheure und Historiker.
Follett nimmt sich für die Recherche und Planung acht Monate Zeit. Er nimmt die Recherche sehr genau und passt nach eigenen Aussagen die Handlung an die Geschichte an und nicht umgekehrt. Als Historikerin macht mich das besonders glücklich. Jedoch weiß ich auch, wie mühsam es ist, historische Fakten zu recherchieren. Oftmals hat man das Gefühl, nie alle Informationen zu haben, was Geschichte ja auch wieder interessant macht.
Die Geschichte aber in einen Roman einzubinden, ist noch einmal eine ganz andere Sache. Es geht ja nicht nur um historische Ereignisse, sondern auch um ganz alltägliche Dinge. Was haben die Menschen zu der Zeit gegessen? Welche Kleidung haben sie getragen? Welche gesellschaftlichen Strukturen waren üblich? Die Liste ist endlos.

Was kann man daraus lernen?

Von Follett lernt man auf alle Fälle, dass die Recherche und die richtigen Details genauso wichtig sind wie die Geschichte selbst. Bevor er einen Plot entwickelt, macht er sich mit den historischen Fakten vertraut und bindet diese in die fiktive Story ein. Gerade Details machen eine Geschichte besonders. Es muss nicht auf jede Kleinigkeit eingegangen werden, aber mit bestimmten Informationen an der richtigen Stelle, verleiht man einer Geschichte mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit. So erwähnt Follett zum Beispiel in “Winter der Welt”, dass in den USA häufig Musiker für die Dechiffrierung von Nachrichtencodes herangezogen wurden. Aus einem unklaren Grund sind Musiker anscheinend sehr gut darin, Geheimcodes zu entziffern. Diese Info ist für die Geschichte nicht weiter relevant, aber sie zieht den Leser tiefer in die Geschichte hinein.
Wenn du für einen Roman etwas recherchieren musst, erledige die Recherchen so weit wie möglich, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Vielleicht findest du Informationen, die deinen bisherigen Plot verändern, da er ansonsten gar nicht möglich wäre. Wenn dir während des Schreibens Informationen fehlen, markiere dir die Stelle und schreib einfach weiter. Ergänze die Informationen später. Ansonsten kann es passieren, dass du völlig aus dem Schreibprozess rausfliegst und stundenlang im Internet nach einer Kleinigkeit suchst.
Setze Details an die richtigen Stellen. Überhäufe den Leser nicht mit Informationen. Klar, du hast womöglich viel Zeit und Energie in die Recherchen gesteckt, aber du musst nicht alles, was du herausgefunden hast, auch in den Roman packen. Konzentriere dich stattdessen auf Besonderheiten, die dem Leser auch im Gedächtnis bleiben, und setze diese gezielt ein.

Stephen King: Mindset

Ich muss gestehen, dass ich bisher nur zwei Bücher von King gelesen habe. Einmal die Standardlektüre für Autoren “Das Leben und das Schreiben”* und “Sleeping Beauties”* (als Hörbuch). Das liegt vermutlich daran, dass ich kein großer Fan von Horror oder Dark-Fantasy bin. Und ich finde den Schreibstil (der deutschen Versionen) auch etwas anstrengend. Wenn die Geschichte vorgelesen wird, finde ich es aber ganz gut. Vielleicht ist das eine Eigenheit von mir.
Dennoch gehört Stephen King definitiv zu den Autoren, von denen andere Autoren etwas lernen können. Schließlich gehört er zu den großen Namen in seinem Genre. An wen denkst du, wenn du an Horror-Romane denkst? Mir fällt sofort Stephen King ein. Es ist eine große Leistung, wenn der Name eines Autors quasi als Synonym zu seinem Genre betrachtet wird.
Was ich jedoch fast noch interessanter finde, ist Kings Mindset. Er sieht Schreiben als ein Handwerk an, das Übung erfordert, aber erlernt werden kann. Schreiben ist Arbeit und sollte auch dementsprechend betrachtet werden. Und diese Einstellung finde ich gut. Das soll nicht bedeuten, dass man sich 40 Stunden die Woche mit dem Schreiben beschäftigen soll. Den meisten (mich eingeschlossen) wäre das aus mehreren Gründen überhaupt nicht möglich.
Dennoch mag ich die nüchterne Einstellung zum Schreiben. Dadurch wird die Vorstellung, ein Buch zu schreiben, weniger unmöglich. Es ist eine bewältigbare Aufgabe. Klar, sie erfordert Zeit und Energie, aber es ist möglich.

Was kann man daraus lernen?

Wenn du noch am Anfang stehst, lass dich von der Vorstellung, ein Buch zu schreiben, nicht einschüchtern. Schreiben erfodert Übung und einen gut ausgestatteten Werkzeugkasten. Schreiben ist ein Handwerk, vielleicht auch eine Kunst, aber es bedeutet vor allem eines: Arbeit. Auch wenn du nur als Hobby schreibst, es nimmt doch einiges an Zeit in Anspruch und am Ende möchtest du sicherlich auch ein vorzeigbares Ergebnis haben.
Die Vorstellung, dass Schreiben nicht nur Talentsache und abhängig von Musen ist, nimmt einiges an Druck weg. Deine ersten Romane werden bestimmt nicht perfekt sein, was nicht bedeutet, dass du nicht gut schreiben kannst. Vielmehr wirst du an deinem Handwerk feilen müssen, neue Romane schreiben und mit der Zeit wirst du feststellen, wie sich dein Schreibstil weiterentwickelt.
Und dadurch, dass man immer noch etwas besser machen kann, wird es nie einen vollständig “ausgelernten” Autor geben, der ein unangefochtener Meister seines Faches ist.
Womöglich sitzen Moyes, Follett oder King gerade vor einem Manuskript und grübeln über einer Szene nach oder formulieren einen Satz zum vierzehnten Mal um. Das hat doch auch irgendwie etwas Beruhigendes.

Wer sind deine LieblingsautorInnen? Was zeichnet sie aus? Und was kann man von ihnen lernen? Schreib es gerne unten in die Kommentare.

 

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Photo by freestocks.org from Pexels

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5 Kommentare

  1. Vielen Dank Caro, das ist ein superinteressanter Beitrag. Moyes wird auch in den Seminaren des writers’studio in Wien empfohlen und King lese ich gerade in der Originalfassung … taugt mir sehr!

    Alles Liebe aus Kroatien,
    Alex

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