Trick 17: Romananfänge spannender gestalten

Trick 17: Romananfänge spannender gestalten

Vermutlich hast du es schon mehrfach gehört: Der Anfang eines Romans ist besonders wichtig, um Agenturen, Verlage und Leser von deinem Buch zu überzeugen – abgesehen von Cover, Klappentext, Story und Figurenentwicklung natürlich. Es ist diese erste Seite, vor der sehr viele Autoren Respekt haben und die ihnen schlaflose Nächte bereiten können. Aber was tun, wenn der Anfang deines Romans eher gemächlich anfängt und sich die Story erst langsam aufbaut?

Später einsteigen

Eine Variante besteht darin, dass du den Anfang noch einmal genau unter die Lupe nimmst. Ist es wirklich nötig, dass die Geschichte dort beginnt oder könntest du auch etwas später einsteigen? Die Geschichte muss nicht unbedingt damit starten, wie die Hauptfigur am Morgen aufsteht und sich die Zähne putzt, frühstückt und dann zur Arbeit fährt, wo sie am Ende des Tages gekündigt wird. In diesem Fall könntest du gleich bei der Kündigung beginnen.

Generell bietet es sich an, mit einer Szene zu beginnen, die für die Hauptfigur nicht alltäglich ist. Vielleicht passiert auch gleich zu Beginn etwas, das im weiteren Verlauf das Leben der Hauptfigur stark verändert.
Wobei es hier oftmals sehr Genre-abhängig ist, wie schnell die Handlung eines Romans in Gang kommen sollte, bevor sich der Leser langweilt. In einem Liebesroman wird der Leser erwarten, dass die Hauptfigur bald auf den Love Interest trifft. Bei Krimis und Thriller wird für gewöhnlich früh mit einem Mord oder einer nervenaufreibenden Szene gerechnet. Bei High Fantasy, Science Fiction und historischen Romanen sind die Leser hingegen bereit, sich zunächst den Alltag und die Umwelt der Hauptfigur erklären zu lassen, bevor die Handlung richtig losgeht.

Trick 17: Eine Szene vorziehen

Manchmal kann es aber auch sein, dass du am Anfang des Romans nichts mehr kürzen kannst und dennoch eine gewisse Spannung fehlt, um den Leser von Anfang an zu fesseln. Hier gibt es einen Trick 17, der für jedes Genre anwendbar ist: Nimm eine Szene, die eigentlich zum Höhepunkt gehört oder den weiteren Verlauf der Geschichte andeutet, und stelle diese an den Beginn der Geschichte.

Besonders bekannt ist die erste Szene aus der Fantasy-Reihe “Das Lied von Eis und Feuer”. Hier wird der Leser sofort in den kalten Norden von Westeros geschickt, wo eine Gruppe der Nachtwächter gegen die White Walkers, eine Art Eis-Zombies, kämpft und von diesen getötet wird. Nach dieser Kampfszene geht es erst einmal gemächlicher weiter, der Leser lernt die (zahlreichen) Figuren kennen und muss sich erst einmal ein Bild von der Welt machen, in der diese Figuren leben. Die Anfangsszene deutet jedoch schon an, wie die Geschichte weitergehen wird, weshalb es auch nicht weiter schlimm ist, wenn die darauffolgenden Seiten weniger spannend ausfallen.

Weniger bekannt, aber nicht weniger effektiv, ist vermutlich die Anfangsszene aus Kerstin Giers “Wolkenschloss”*.

“Hier stand ich also völlig erschöpft im Schnee, während vom Ballsaal Violinenklänge zu uns hinüberwehten. Um meinen Hals trug ich einen Diamanten von fünfunddreißig Karat, der mir nicht gehörte, und in meinen Armen hielt ich ein schlafendes Kleinkind, das mir ebenfalls nicht gehörte. Irgendwo unterwegs hatte ich einen Schuh verloren. (…) Die Wunde an meiner Schulter pochte wie verrückt, das Blut lief den Arm hinab und tropfte in den Schnee, die Kälte biss schmerzhaft in meinen Fuß. (…) Ich wusste nicht mehr, wer gut und wer böse war. Und die einzige glasklare Einsicht, die ich gerade noch vorweisen konnte, war, dass ein Schalldämpfer an Pistolen wirklich den Schall dämpften.
Und dass es ganz sicher bessere Momente für einen ersten Kuss gab als diesen. (…)”

Der Leser hat hier noch keine Ahnung, worum es eigentlich geht, was auch gut ist. Hier wird gleich zu Beginn Spannung aufgebaut, da sich der Leser automatisch mehrere Fragen stellt, die er beantwortet haben will. Was ist vorher passiert? Warum ist die Ich-Erzählerin verwundet? Hat jemand auf sie geschossen? Und wer küsst sie in diesem unpassenden Moment?

Anschließend geht der Roman vergleichsweise harmlos weiter. Die Protagonistin Fanny Funke, Jahrespraktikantin im Grandhotel Wolkenschloss, sucht nach zwei Kindern, die sich vor ihr versteckt haben, und auf die sie eigentlich hätte aufpassen sollen. Dabei wird sie von dem neunjährigen Don geärgert.

Würde das Buch mit dieser Szene beginnen, hätten es vermutlich einige schon wieder beiseite gelegt. Durch die vorgezogene Szene ist jedoch so viel Spannung aufgebaut, dass der Leser Fanny gerne durch ihren Alltag begleitet.

Sieh dir bei deinem nächsten Romanprojekt doch einmal den Anfang genauer an. Ist er schon spannend genug, um den Leser zu fesseln? Oder kannst du vielleicht noch etwas kürzen, eine Andeutung machen oder eine Szene vorziehen?

Welche Möglichkeiten kennst du noch, um einen Romananfang spannender zu gestalten? Fällt es dir leicht, einen guten Anfang zu finden oder änderst du den Beginn mehrfach um, bevor das Buch veröffentlicht wird? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

 

*Afiliate Link

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2 Kommentare

  1. Danke für den hilfreichen Beitrag. Meine Amateur Geschichte beginnt mit einer Autofahrt, die bestimmt eher in die Sparte langweilig fällt 😀 da müsste vorher auch noch etwas interessanteres kommen. 😀

    Wolkenschloss von Kerstin Gier wird jetzt auf meine Liste mit Büchern die ich noch lesen möchte gepackt 🙂

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