Kommaregeln – Reine Gefühlssache oder steckt doch eine gewisse Logik dahinter?

Kommas werden beim Schreiben gerne zweitrangig behandelt. Schließlich ist eine korrekte Rechtschreibung und eine spannende Geschichte viel wichtiger. Wen kümmern da schon Kommas? Dabei erfüllen diese unscheinbaren Striche eine wichtige Funktion in der deutschen Grammatik: Sie ermöglichen eine richtige Lesart des Textes. Das heißt, Kommas geben dem Text eine Übersicht und eine Struktur, damit der Satz im Sinne des Verfassers verstanden wird.


 

Wenn Kommas Leben retten

Diese strukturierende und sinngebende Funktion wird offenbar häufig unterschätzt. Ansonsten würden warscheinlich nicht missverständliche Sätze entstehen, die unter Umständen Leben und Beziehungen gefährden. Achtet einmal darauf, wie sich der Sinn eines Satzes ändert, wenn das Komma seinen Platz wechselt:

Was willst du schon wieder? – Was, willst du schon wieder?

Komm, wir essen, Oma! – Komm, wir essen Oma!

Ich begnadige, nicht töten! – Ich begnadige nicht, töten!

Mir wurde als Kind beigebracht, dort ein Komma zu setzen, wo während des Sprechens eine Pause entsteht. Eine andere “Volksregel” besagt, ein Komma gehöre dahin, wo man mit der Stimme nach oben geht, wenn man den Satz laut ausspricht. Diese Weisheiten führen allerdings nicht immer zum Erfolg.

 

Ist doch ganz einfach, oder?

Im Duden findet sich eine genauere Definition des Kommas:

“Das Komma ist ein Gliederungszeichen. Innerhalb eines Ganzsatzes grenzt es bestimmte Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze voneinander oder vom übrigen Text des Satzes ab.”

Sehen wir uns also die ersten Regelungen an:

 

Aufzählungen:

Wenn mehrere Dinge aufgezählt werden, trennt man diese immer durch Kommas ab, oder?

Nicht ganz: Es kommt darauf an, ob es sich um gleichrangige oder nicht gleichrangige Wörter oder Wortgruppen handelt, die nicht durch “und”, “oder”, “beziehungsweise” und ähnliche Wörter miteinander verbunden sind.

Beispiele für gleichrangige Wörter: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Sie wirkte ruhig, gelassen, entspannt.

Die Wörter haben jeweils eine ähnliche Bedeutung bzw. werden gleich betont, daher setzt man hier das Komma.

Kein Komma macht man allerdings, wenn im Satz nicht gleichrangige Adjektive/Partizipien stehen. Den unterschiedlichen Rang der Adjektive erkennt man dadurch, dass das erste Adjektiv das zweite näher bestimmt bzw. wird das erste Adjektiv stärker betont als das zweite.

Beispiele für nicht gleichrangige Wörter: die jüngsten politischen Entwicklungen (= politische Entwicklung, die sich in jüngster Zeit abgespielt haben); deine neue gefütterte Jacke (= eine neue Jacke, die zusätzlich noch gefüttert ist)

Oftmals hängt es vom Satzzusammenhang ab, ob die Adjektive und Partizipien gleichrangig sind oder nicht.

Beispiele: lauwarmes englisches Bier (= das englische Bier ist lauwarm. Adjektive sind nicht gleichrangig, das englische Bier ist zusätzlich noch lauwarm); lauwarmes, englisches Bier (= das Bier ist lauwarm und es ist englisch. Adjektive sind gleichrangig)

 

Jetzt wird es komplizierter

Nebensätze:

Kein Komma schreibt man bei Nebensätzen, wenn eine Wortgruppe und ein Nebensatz mit “und”, “oder”, “beziehungsweise”, “entweder … oder”, “sowie”, “sowohl … als/wie auch”, “weder … noch”, etc. verbunden sind.

Beispiele: schwarze und weiße Schafe; Du bist entweder für uns oder gegen uns. Als ich ging, habe ich sowohl meine Brille als auch meine Uhr vergessen.

Aber: Wenn ein Nebensatz, Zusatz oder Nachtrag eingeschoben wird, muss ein Komma vor den genannten Konjunktionen stehen.

Beispiele: Maria beobachtete die schwarzen Schafe, die gelangweilt aussahen, und die lustigen weißen Schafe. Du bist entweder für uns, was ich dir raten würde, oder gegen uns. Als ich ging, habe ich sowohl meine Brille, die ich mir gerade erst gekauft hatte, als auch meine Uhr vergessen.

Bei nachgestellten Zusätzen gilt generell, dass die Einschübe von den Kommas abgeschlossen werden. Hier kann man sich merken: Jener Teil des Satzes, der sich außerhalb des Einschubes befindet, sollte auch ohne den Einschub einen Sinn ergeben.

Beispiel: Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, wurde in Mainz geboren. Das ist Sabine, meine Schwester.

 

In diesem Fall sind aber noch zwei Arten von Satzgefügen voneinander zu unterscheiden:

1. Der Nebensatz und der übergeordnete Satz stehen direkt nebeneinander: Zwischen die beiden Satzteile kommt ein Komma.

Beispiele: Bei Sturmwind oder wenn es neblig ist, fährt die Bahn nicht. Ich kaufe, was wir für die Reise brauchen und die Geschenke für meine Eltern.

2. Die Wortgruppe und der übergeordnete Satz stehen nebeneinander: Hier muss kein Komma gesetzt werden.

Beispiele: Wenn es neblig ist oder bei Sturmwind fährt die Bahn nicht. Ich kaufe die Geschenke für meine Eltern und was wir für die Reise brauchen.

 

Vergleiche:

Bei Vergleichen mit “als” und “wie” schreibt man nur dann ein Komma, wenn damit ein Nebensatz eingeleitet wird.

Beispiele: Du fährst schneller, als nötig wäre. – Du fährst schneller als nötig. Sie ist genauso schlau, wie er es ist. – Sie ist genauso schlau wie er.

 

Noch einmal volle Konzentration

Bei diesen nebenordnenden Konjunktionen ist die Kommaregelung etwas einfacher: “aber”, “sondern”, “doch”, “jedoch”, “allein”, “denn”.

Hier kommt nämlich immer ein Komma vorne hin.

Beispiele: Sie wollte zur Party gehen, aber niemand nahm sie mit. Er hat sie mehrfach angerufen, jedoch nahm sie den Hörer nicht ab. Wir haben nur einen Kaffee getrunken, denn wir hatten keinen Hunger.

Ähnlich ist es bei Wörtern wie “und zwar”, “zum Beispiel”, “nämlich”, “insbesondere”, “vor allem”, etc. Sie deuten einen vorangestellten oder nachgestellten Nebensatz an, der durch ein Komma vom Hauptsatz getrennt wird.

Beispiele: Er nahm an, dass die Rechnung bezahlt worden war. Obwohl es regnete, waren noch viele Menschen auf der Straße.

 

Fazit:

Die Kommasetzung ist keine Gefühlssache, sondern orientiert sich an genauen Regeln. Grammatik macht weniger Spaß als plotten, ist aber genauso sinnvoll. 😉

 

Wenn ihr noch einen Schritt weitergehen wollt, schaut euch meinen Beitrag zu den Infinitiv- und Partizipsätzen an.

Mehr zum Thema Komma und Zeitgeist: Der Beistrich der fehlt von Matthias Greuling, Wiener Zeitung vom 26. Juni 2014.