Von 3. und 4. Fällen

Ein Fehler, der mir beim Schreiben immer wieder unterkommt, ist die Verwechslung zwischen dem 3. Fall (Dativ) und dem 4. Fall (Akkusativ). Ich kenne zwar die nötige Fragestellung (Wem? bzw. Wen?/Was?), aber dennoch bleiben in einigen Fällen Unsicherheiten zurück, weil es doch irgendwie “komisch” klingt.

Geht es dir manchmal auch so? Dann hilft dir dieser Artikel vielleicht weiter.


Grundsätzliches:

In der deutschen Grammatik gibt es vier Fälle:

1. Fall (Nominativ), Fragewort: Wer oder Was?

2. Fall (Genitiv), Fragewort: Wessen?

3. Fall (Dativ), Fragewort: Wem?

4. Fall (Akkusativ), Fragewort: Wen oder was?

Zusätzlich werden Nomen in drei grammatische Geschlechter unterteilt: Maskulinum, Femininum und Neutrum. Je nachdem, ob ein Nomen nun männlich, weiblich oder neutral ist, werden die Fälle entsprechend abgewandelt.

Ich musste in der Schule die jeweiligen Artikel zu den grammatischen Geschlechtern auswendig lernen. Ob das sinvoll war oder nicht, sei dahingestellt. Jedenfalls sah diese Tabelle folgendermaßen aus:

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
Maskulinum der des dem den
Femininum die der der die
Neutrum das des dem das

 

Und das Ganze gab´s dann natürlich auch noch im Plural, was in dem Fall relativ simpel zu lernen war:

 

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
Maskulinum die der den die
Femininum die der den die
Neutrum die der den die

 

Um ehrlich zu sein: Ich hab in der Volksschule nie kapiert, wozu ich das auswendig wissen muss, weil für mich als deutscher Muttersprachler die Findung des richtigen Falles immer recht einfach gewesen ist. Nur zwischen dem 3. und 4. Fall tauchen bis heute Verwechslungen auf, was vermutlich vorwiegend daran liegt, dass die richtige Formulierung in der gesprochenen Sprache nicht immer eindeutig hervorgeht.

 

Der Dativ oder auch der “Wemfall”

Ein Nomen oder Pronomen, das im Dativ steht, erkennt man durch die Frage “Wem?” oder “Mit welcher Sache?”

Es mehrere Varianten wie der Dativ im Satz stehen kann.

1. Variante: Das Dativobjekt* steht zum Verb

Beispiel: Ich gab dem Studenten eine Tasse Kaffee.

Wem gab ich eine Tasse Kaffee? – dem Studenten

*Anm.: Dativobjekt = ein Objekt, das im Dativ steht.

2. Variante: Das Dativobjekt steht zu einem Adjektiv

Beispiel: Der Autor blieb seinem Genre treu.

Wem blieb der Autor treu? – seinem Genre

3. Variante: Der Dativ steht frei und ist nicht direkt an ein anderes Wort gebunden

Diese Variante unterteilt sich in drei Typen:

1. Zugehörigkeitsdativ (Pertinenzdativ)

Beispiel: Sie frisiert dem Kind die Haare. (= die Haare des Kindes)

2. Dativ Commodi/Incommodi (zu jemandes Vorteil/Nachteil)

Beispiele: Er repariert das Fenster der Schwiegermutter. (= Zum Vorteil für die Schwiegermutter)

Sie hat ihrer Mutter den teuren Spiegel zerbrochen. (= Zum Nachteil für die Mutter)

3. Dativ ethicus (rein gefühlsmäßige Beteiligung an der Handlung/am Zustand, betrifft nur Personalpronomen der 1. und 2. Person)

Beispiel: Sei mir bitte pünktlich!

4. Dativ Iudicantis (Dativ des Beurteilers)

Beispiel: Sie fährt ihm viel zu langsam.

4. Variante: Der Dativ steht mit Präpositionen

Nach folgenden Präpositonen kommt ein Dativ: ab, aus, außer, bei, binnen, dank, entgegen, entsprechend, fern, gegenüber, gemäß, getreu, laut, mit mitsamt, nach, nahe, nebst, samt, seit, vis-à-vis, von, zu, zufolge, zuliebe

Beispiele: Ab diesem Monat bekomme ich mehr Gehalt.

Binnen einem Monat läuft die Frist ab.

Entgegen der vorherrschenden Meinung.

5. Variante: Der Dativ steht als Apposition (nähere Bestimmung)

Beispiel: Ich habe das Problem mit Emilia, meiner besten Freundin, besprochen.

 

Der Akkusativ oder auch der “Wenfall”

Ein Nomen oder Pronomen, das im Akkusativ steht, ist durch die Fragestellung “Wen?” oder “Was?” erkennbar.

Ähnlich wie beim Dativ gibt es auch beim Akkusativ mehrere Varianten, wie er im Satz vorkommen kann.

1. Variante: Das Akkusativobjekt* steht zum Verb

Beispiel: Ich gab dem Studenten eine Tasse Kaffee.

Was gab ich dem Studenten? – eine Tasse Kaffee.

*Anm.: Akkusativobjekt = Ein Objekt, das im Akkusativ steht

2. Variante: Der Akkusativ steht mit einem Infinitiv

Beispiel: Er lehrte seinen Sohn Klavier spielen.

3. Variante: Der Akkusativ steht als Prädikativ zum Objekt

Dies ist nach den Verben nennen, schelten, schimpfen, schmähen und heißen der Fall.

Beispiele: Er nannte ihn seinen besten Freund.

Der Kommissar schalt den Mann einen Lügner.

4. Variante: Das Akkusativobjekt steht zu einem Adjektiv

Beispiel: Die Reise ist teuer, aber ist ihren Preis wert.

5. Variante: Der Akkusativ steht im Zusammenhang mit einer Adverbialbestimmung*

Beispiele: Ich fahre jeden Tag mit dem Zug in die Arbeit.

Wir spielten den ganzen Abend Bingo.

*Anm.: Adverbialbestimmung = Ergänzung, die eine im Satz ausgedrückte Handlung oder einen ausgedrückten Zustand näher bestimmt

6. Variante: Der Akkusativ steht mit Präpositionen

Nach folgenden Präpositionen kommt ein Akkusativ: à, betreffend, bis, durch, entlang, für, gegen, je, kontra, ohne, per, pro, um, versus, via, wider

Beispiele: Sie ritten durch den Wald.

Den Fluss entlang stehen Bäume.

Du kannst die Rechnung nicht ohne den Wirt machen.

7. Variante: Der Akkusativ wird durch eine Apposition näher bestimmt

Beispiele: Sie liebte ihren Großvater, den alten Grießgram, sehr.

Der Veranstalter lobte Dr. Gruber, den Vorsitzenden des Vereins, besonders.

Fazit: Beim Schreiben ist es natürlich schwer, alle diese Regeln permanent im Hinterkopf zu behalten, daher würde ich vorschlagen, sich von den grammatikalischen Widrigkeiten nicht einschüchtern zu lassen, sondern einfach drauflos zu schreiben. Wenn du weißt, dass du zu Fallfehlern neigst, kannst du diese immer noch während der Korrekturen ausmerzen. 😉

Grammatik ist kompliziert, aber notwendig.