Romanfiguren charakterisieren

Worauf ist bei der Charakterisierung von Romanfiguren zu achten? Wie wirken Figuren authentisch und gewinnen die Sympathie der Leser? Wie erhalten die Figuren eine Persönlichkeit, sodass man beinahe vergisst, dass es sich dabei um keine realen Menschen handelt?

Fragen, die man sich als Autor-Anfänger stellt und die man sich vielleicht nicht immer selbst beantworten kann. Dabei sind Figuren das Bindeglied zwischen Geschichte und Leser. Für die Dauer des Romans baut sich eine Beziehung zwischen den beiden auf und entscheidet auch darüber, ob erneut ein Roman des Autors gekauft wird.


Folgende Tipps habe ich von Sylvia Englert So lektorieren Sie Ihre Texte. Verbessern durch Überarbeiten. Sylvia Englerts Tipps für die Charakterisierung und Entwicklung von Romanfiguren finde ich echt toll, weshalb ich sie euch nicht vorenthalten möchte.

Hier also eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

1. Tiefe der Figuren: Je mehr Eigentschaften, Eigenheiten, Umfeld und Vorgeschichte eine Figur hat, umso eher wird sie von Lesern als echt empfunden. Dazu sollte man beim Überarbeiten des Manuskriptes darauf achten, ob die Handlungs- und Sprechweise zum jeweiligen Charakter der Figur passen. Um an Authentizität zu gewinnen, darf vor allem die Hauptfigur nicht zu perfekt oder fehlerfrei wirken. Im Gegenteil: Hauptcharaktere brauchen Schwächen, Ängste, Macken, Abgründe und unschöne Geheimnisse, damit erhalten sie mehr Persönlichkeit und gewinnen an Sympathie.

Wichtig: Klischees vermeiden! Geheimnisvolle dunkelhaarige, arrogante Männer, High-Heels-süchtige Frauen, die Hexe mit spitzen Hut und Warze auf der Nase sind typische Klischees, die vom Leser nicht ernst genommen werden. Natürlich dürfen Figuren gewissen Klischees entsprechen, doch benötigen sie untypische, überraschende Eigenschaften, damit sie für den Leser interessanter werden. “(…) das Leben im Roman muss sozusagen echter sein als echt.” (Englert, S. 23) Man kann mit Klischees auch spielen und sie auf die Spitze treiben, das funktioniert aber eher bei Satiren und humorvollen Geschichten.

2. Mehrdimensionale Figuren: Ebenso verhält es sich mit dem Gegenspieler des Hauptcharakters: Dieser darf nicht einfach nur böse sein. Dadurch kann die Figur schnell platt wirken und wird vom Leser nicht ernst genommen. Interessant ist die Vorgeschichte des Gegenspielers und Erklärungen, warum er überhaupt böse geworden ist. Der Leser möchte die Hintergründe erfahren, weshalb sich der Gegenspieler der Hauptfigur überhaupt in den Weg stellt.

Wichtig: Mehrdimensionale Figuren erschaffen! Die Guten brauchen negative Seiten und die Bösen haben positive Seiten.

3. In die Figuren hineinversetzen: Als Autor darf man nicht über die Figuren schreiben, sondern aus ihnen heraus. “Durch ihre Augen sehen, mit ihrem Kopf denken.” (Englert, S. 25) Es sollten Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen der im Mittelpunkt stehenden Figur eingebaut werden, damit der Leser besser in die Geschichte eintauchen kann.

Wichtig: Formulierungen wie “das Mädchen”, “der dreißigjährige Mann”, etc. vermeiden, wenn es sich dabei um die zentrale Figur handelt. Bei außenstehenden Charakteren sind diese Beschreibungen natürlich okay. Ansonsten sollte man immer den Namen der jeweiligen Figur verwenden und deren Ansichten, Wahrnehmungen und Empfindungen schildern.

4. Entwicklung der Figuren: Im Laufe der Geschichte muss sich die Figur weiterentwickeln, die Erlebnisse sollten eine Veränderung hervorrufen. Dabei ist auch auf die Beziehung zwischen den Figuren zu achten, eine harmonische Entwicklung ist für den Leser meist weniger spannend.

Wichtig: Konflikte und Spannungen sind nötig, um die Entwicklung der Geschichte und der Figuren stetig vorantreiben zu können.

5. Beziehung zwischen Leser und Hauptfigur: Die Leser sollten sich im besten Fall mit den Figuren identifizieren können, da sie während des Lesens mit der Figur mitleben oder sie zumindest in ihrer Geschichte begleiten. Um dies zu erreichen, sollte es höchstens drei Hauptfiguren geben. Jene Figuren, die zu Beginn des Romans auftauchen, werden von den Lesern als Hauptcharakter akzeptiert, daher sollte man nicht bis zur zweiten Hälfte des Buches warten, um eine Hauptfigur einzuführen.

Wichtig: Wie bereits oben angemerkt, benötigen die Figuren unverwechselbare Eigenschaften, eine besondere Vorgeschichte, eine außergewöhnliche Freizeitbeschäftigung oder Gewohnheiten absteits des Üblichen. Um die Figuren menschlicher erscheinen zu lassen, können für die jeweilige Lebenssituation typische Probleme eingebaut werden.

Fällt euch noch etwas ein, was man bei der Charakterisierung von Figuren beachten sollte? Überlegt ihr euch im Vorhinein genau, welche Eigenschaften eine Figur hat oder ergibt sich die Persönlichkeit im Laufe des Schreibens? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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