6 Fragen zu Literaturwettbewerben

Eine Möglichkeit sich als Autor aus der Masse an Schriftstellern hervorzuheben besteht darin, an Literaturwettbewerben teilzunehmen, um in diesem Rahmen seine Texte vorzustellen. Das Handbuch für Autorinnen und Autoren liefert zu diesem Thema einen interessanten Beitrag. Ein paar Punkte daraus möchte ich euch vorstellen.


 

Jährlich werden zirka 400 Literaturwettbewerbe in Deutschland ausgeschrieben, also eine Vielzahl an Möglichkeiten sich selbst und seine Texte an die Öffentlichkeit zu bringen. Es macht jedoch keinen Sinn, blindlings bei allen verfügbaren Wettbewerben mitzumachen. Solche Ausschreibungen geben nicht selten konkrete Teilnahmebedingungen vor, die nur einen bestimmten Kreis an Autoren überhaupt für den Veranstalter interessant machen. Beispiele für diese Teilnahmekriterien gibt es unzählige: So kann es eine Altersbegrenzung geben oder es dürfen nur Autoren mit Bezug zu einer bestimmten Region teilnehmen. Andere Regelungen besagen wiederum, dass die einzureichenden Texte noch nicht veröffentlicht worden sein dürfen, und so weiter.

Bevor man also seine Text wild durch die Gegend schickt, sollte man genau überprüfen, welche Kriterien für eine Teilnahme erforderlich sind und man diese auch erfüllt.

 

Fragen und Antworten zu Literaturwettbewerben:

1. Was hat man von der Teilnahme?

Ganz klar: Wenn man gewinnt, steigt der eigene Bekanntheitsgrad ebenso wie die Honorareinnahmen und der Bücherverkauf. Gewonnene Wettbewerbe können sich also langfristig positiv auf die Autorenkarriere auswirken. Außerdem werten Gewinne die Autoren-Vita ungemein auf. Ganz abgesehen vom persönlichen Ego-Push.

Wenn man jedoch realistisch bleibt und die Zahl an Mitkonkurrenten bei Wettbewerben bedenkt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass man bei einer Teilnahme eine Niederlage erleidet. Davon darf man sich jedoch nicht unterkriegen lassen, denn auch in diesem Fall sind noch ein paar Vorteile herauszuholen: Nämlich neue Kontakte knüpfen. Mit etwas Glück kommt man im Rahmen eines Wettbewerbs mit Verlagsvertreten, Lektoren, Jurymitgliedern, Veranstaltern und anderen Autoren ins Gespräch (und wenn es nur online ist). Es schadet prinzipiell nie, wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt. Auch so kann sich der Erfolg einstellen. 😉

 

2. Bei welche Wettbewerben/Stipendien lohnt sich eine Teilnahme?

Um diese Frage beantworten zu können, müssen zwei verschiedene Werte beachtet werden:

1. Die materiellen Werte, darunter sind Geldbeträge und Sachpreise,wie Reisen, Füllfederhalter, Büchergutscheine, etc. zu verstehen.

2. Die immateriellen Preise, dazu zählen beispielsweise das Prestige der Stifter/Sponsoren, die Originalität/”Rühmlichkeit” der Zielsetzung, der allgemeine Ruf der Jury sowie der derzeitiger Bekanntheitsgrad der bisherigen Preisträger, etc.

Konkret sollte also die Ausschreibung kritisch unter die Lupe genommen werden. Worum geht es bei dem Wettbewerb? Werden Autoren gefördert oder handelt es sich um eine Promotionaktion des Veranstalters? Ist es sinnvoll, wenn der Gewinnertext honorarfrei in einer Zeitschrift veröffentlicht wird? Hat man persönlich mehr davon, wenn bei einem Gewinn ein Taschengeld verliehen wird oder der Text in einer Anthologie veröffentlicht wird?

Ich würde empfehlen, dass man sich vorher überlegt, was man von der Teilnahme bei einem Wettbewerb erwartet und ob der jeweilige Wettbewerb diese Erwartungen erfüllt bzw. ob man mit dem potentiellen Gewinn auch etwas anfangen kann.

Generell gilt: Je höher der Preis dotiert ist, desto mehr Autoren werden daran teilnehmen. Wenn ein hohes Preisgeld wartet, sind unter den Teilnehmern auch vermehrt Profis zu finden. Im Gegensatz zu Wettbewerben mit niedrig dotierten Preisen: Hier sind die Anfänger eher unter sich.

 

3. Muss man sich wirklich an die Teilnahmebedingungen halten oder gibt es einen “kreativen” Spielraum?

Kurz gesagt: Ja, auf alle Fälle!

Man muss bedenken, dass bei einem Wettbewerb oftmals unzählig viele Texte eingereicht werden, um hier auch nur ansatzweise den Gewinner aus den vielen Teilnehmern herausfischen zu können, wird natürlich zuerst überprüft, ob der Autor bzw. sein Text die nötigen Kriterien erfüllt. Das heißt: Der Text darf die vorgegebene Länge nicht überschreiten, wenn es eine Höchstanzahl von Seiten/Wörtern/Zeichen gibt. Ebenso muss die vorgegebene Gattungsform eingehalten werden, also kein Gedicht bei einem Prosa-Wettbewerb einreichen. Und es macht auch keinen Sinn, einen Text zu einem völlig anderen Thema einzuschicken, wenn es hier eine genaue Vorgabe gibt.

Also im eigenen Interesse: Teilnahmebedingungen genau lesen und sich auch daran halten.

 

4. Wann genau gilt ein Text als “veröffentlicht”?

Es kommt oft vor, dass eine der Teilnahmebedingungen besagt, dass der eingereichte Text noch nicht veröffentlicht worden sein darf. Konkret heißt es dazu im Urheberrechtsgesetz § 8 “Ein Werk ist veröffentlicht, sobald es mit Einwilligung des Berechtigten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist.”

Man muss kein Jurist sein, um zu erkennen, dass diese Regelung nach Belieben ausgelegt werden kann. Was nun unter dem Begriff “veröffentlicht” zu verstehen ist, hängt von der Definition des Wettbewerbveranstalters ab. Wenn in der jeweiligen Ausschreibung nicht klar hervorgeht, ab wann ein Text als veröffentlicht gilt, kann im Zweifelsfall beim Veranstalter nachfragt werden.

 

5. Sind Preisgelder einkommenssteuerpflichtig?

Was viele vielleicht nicht wissen: Das Finanzamt schneidet bei Gewinnen und Preisgeldern gerne mit. Allgemein gesagt, ist ein Preis dann einkommenssteuerpflichtig, wenn er im Zusammenhang mit einer beruflichen Tätigkeit verliehen wird, das heißt: Wird der Preis im Rahmen eines Wettbewerbs oder für ein bestimmtes Werk vergeben, muss eine Einkommenssteuer gezahlt werden. Z.B. Wenn eine Journalistin für ihren Artikel zum Thema “Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden” einen Preis erhält, muss sie Einkommenssteuer zahlen.

Kulturpreise sind hingegen steuerfrei, also wenn die Persönlichkeit, das Gesamtwerk oder die Vorbildfunktion einer Person im Rahmen einer Preisverleihung geehrt wird. Z.B. Wenn dieselbe Journalistin durch ihre Recherchen und mehrere Berichte dazu beigetragen hat, die Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden vermehrt umzusetzen. In diesem Fall ist keine Einkommenssteuer zu zahlen.

Auch hier gilt: Im Zweifelsfall beim Veranstalter nachfragen, dieser sollte darüber Bescheid wissen, ob sein Preis einkommenssteuerpflichtig ist oder nicht.

 

6. Wo kann ich mich über aktuelle Wettbewerbs-Ausschreibungen informieren?

Zum Beispiel beim Berliner Literaturport. Hier werden regelmäßig die neusten Wettbewerbe und Stipendien aufgelistet.

 

Zusatzinfo:

Preise, die verliehen werden (Auswahl):

Open Mike (für deutschsprachige Autoren bis 35 Jahren):

Krimipreis (Verliehen über Das SYNDIKAT)

Deutscher Science Fiction Preis

Rattenfänger-Literaturpreis (für Kinder und Jugendliche)

Vincent Preis (Horror Award)

William Voltz Award (für Science Fiction Nachwuchsautoren)

 

Habt ihr schon an Wettbewerben teilgenommen? Welche Erfahrung habt ihr dabei gemacht?